Wenn einem die Welt abhanden kommt
Louis Gut sucht in der Nazizeit einen Weg zwischen seiner Verehrung für die deutsche Kultur und der Katastrophe, die sein hoch geschätztes Kulturvolk weltweit auslöst.
Im Roman liest man:
Dass im Holocaust bis 6,3 Millionen Menschen auf grausame Art umgebracht wurden, hat ihm endgültig die Sprache verschlagen. Er lässt Neues von den Kriegsschauplätzen nicht mehr an sich herankommen. Keine Zukunftswünsche mehr, keine Hoffnungen. Missbrauchte Ideale haben den «deutschen Menschen» in den Ruin getrieben. Und auch er geht auf Abstand, hält sich draussen, schweigt die Gegenwart weg. Das Geschehen seiner Welt kommt ihm, seinem Denken und Fühlen abhanden. Sie drückt ihn nieder, die Enttäuschung über den Missbrauch seiner eigenen Ideale, durch die er einst dem deutschen Volk nahe stand. Was soll denn noch werden? Ein Absturz in eine traumlose Zukunft, ein Verlust all des Mitgefühls, auf das er doch mal so viel Wert gelegt hat. Und das nun keinen Sinn mehr haben kann, weil die Verbrecher alles in den Schatten stellen. Er spürt, wie Wally sich über ihn beugt, seinen Kopf in beide Hände nimmt und ihm den Kuss auf die Stirn setzt. Vielleicht ja, ist es das, was ihn noch aufrecht hält, denkt er. Wie 1915, als es zum ersten Bruch in ihrer frühen Beziehung kam, ist jetzt ihre Gegenwart das wichtigste, was er braucht. Er zieht sie zu sich herab. Sie schweigen und hören sich zu. Kein Wort.

Louis Gut war Bauer in Kaltbach LU, als er 1914 Waldburga Heusser kennen lernte. Sie schrieben sich bewegende Liebesbriefe. 1917 heirateten sie.